DIC steigert Vermietungsleistung – Bestand profitiert

Büro der Zukunft für ‚flexibles Arbeiten‘ – Logistik bekommt mehr Gewicht

Interview mit Sonja Wärntges, CEO der DIC Asset AG
[von Werner Rohmert]

Krise! Welche Krise? Wenn man sich die aktuellen Geschäftszahlender DIC Asset AG anschaut, kommt man zu dem Schluss, die Folgen der Pandemie sind nahezu spurlos an Ihrem Unternehmen vorüber gegangen.

Spurlos nicht, denn natürlich mussten auch wir uns auf die Situation einstellen: dabei ging es zum Beispiel um die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir mussten viele Routinen unter dem gesundheitlichen Aspekt noch einmal neu denken und zugleich die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen und für unsere Kunden, vor allem unsere Mieter, jederzeit ansprechbar bleiben. Das alles ist gelungen. Und mit Blick auf das Unternehmen haben wir es in der Tat geschafft, das Geschäftsjahr 2020 mit einem erfreulichen und ermutigenden Ergebnis abzuschließen. Wir konnten unsere Vermietungsleistung gegenüber dem Vorjahr um 28% steigern, und das bei höheren Durchschnittsmieten. Wir haben unser selbstgestecktes Ziel von 10 Mrd. Assets under Management (AuM) frühzeitig erreicht und streben jetzt mittelfristig 15 Mrd. AuM an. Und ich sehe uns gut gerüstet, den erfolgreichen Kurs in diesem Jahr fortzuführen.

Aber nehmen wir beispielsweise die Vermietungen, Sie verweisen auf den Erfolg des abgelaufenen Jahrs, sind das nicht nachlaufende Effekte? Wie sieht Ihre Einschätzung für den zukünftigen Markt von Büro-Immobilien aus. Für viele ist doch das Homeoffice der Favorit für die Zukunft.

Richtig ist, dass wir in 2020 so viele Vertragsverlängerungen bei den Vermietungen hatten wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Das hat mich nicht wirklich überrascht, das ist kein untypisches Phänomen in einer Krise: Man hält an dem Bestehenden fest und sorgt damit für Stabilität. Dieser Trend setzt sich in diesem Jahr erkennbar fort. Gleichwohl hat das Homeoffice seine Bedeutung als ein Element des – ich sage einmal – ‚flexiblen Arbeitens‘, aber das Büro wird auch weiterhin der wichtigere Arbeitsplatz bleiben. Deshalb ist und bleibt das für uns eine gewichtige Asset-Klasse. Klar ist aber auch, dass das Büro der Zukunft neugestaltet werden muss.

Wie hat man sich das vorzustellen?

Die künftige Arbeitswelt braucht nicht nur mehr Platz wegen gebotener Abstandsregeln, sondern auch, um Räume teilbar zu machen für das individuelle Arbeiten und gestaltbar für Teamwork, gemeinsame Aktivitäten und informelle Begegnungen im Rahmen des Teambuildings. Manche fassen das alles unter dem Schlagwort ‚Agilität‘ zusammen. Zusätzlich stellen sich uns jetzt auch technische Fragen wie die nach leistungsstarken Belüftungssystemen oder Nutzungskonzepten unter Berücksichtigung von Hygiene-Vorschriften. Das sind Themen, die unsere Kunden und uns bewegen und die wir jetzt in einer eigens gegründeten Working-Group lösen wollen

Welche weiteren Konsequenzen haben Sie aus den Erfahrungen der letzten Monate gezogen?

Der Satz von der Krise, die immer auch Chance sein kann, ist zwar etwas abgedroschen, und dennoch steckt darin etwas Wahres. Wir haben die vergangenen Monate genutzt, um unsere Wachstumsstrategie weiter zu verfolgen, unsere Stärken und Expertise auszubauen.

Was heißt das konkret?

Ganz konkret: Wir haben uns strukturell und personell breiter aufgestellt: Mit der Eröffnung unseren beiden neuen Regionalbüros, in Köln und Stuttgart, sind wir jetzt in allen Top 7-Städten vertreten. Das stärkt unsere Expertise vor Ort. Umfassende Marktkenntnis ist unser USP und macht uns handlungsstark. Daher haben wir auch unser Geschäftsmodell überarbeitet, um unseren 360-Grad-Ansatz noch klarer zu machen: Wir ‚können Immobilien‘ und bieten alles aus einer Hand: Objekte kaufen, bewirtschaften, im Bestand entwickeln und ggfs. auch verkaufen – und das alles mit Blick auf die Dynamik der Situation, nicht nur die Schlussfolgerungen aus der Pandemie, sondern natürlich auch strukturelle Änderungen durch Digitalisierung und die Nachhaltigkeitsstrategie in Deutschland und Europa. Das alles treibt den Wandel auch in unserem Geschäft an und gibt uns viele Chancen.

Sie haben angekündigt, dass die DIC Asset jetzt verstärkt auf Logistik setzt: Der Erfolg dieser Asset-Klasse ist ja kein Geheimnis mehr. Wie wollen Sie sich da positionieren?

In der Tat, das Thema Logistik bekommt in unserem Portfolio ein stärkeres Gewicht. Ein wichtiger Schritt war dabei der Ankauf der RLI Investors, einem ausgewiesenen Logistikexperten mit Fokus auf den deutschen Markt. Insofern passen wir perfekt zusammen. Wir legen jetzt den ersten gemeinsamen Fonds mit 400 Mio. Euro Zielvolumen auf. Mittelfristig soll die Logistiksparte der DIC Asset AG dann 10% des Portfolios ausmachen. Das Segment Office bleibt unser Schwerpunkt, aber das Thema Logistik treibt uns schon eine Weile um. Wir hatten zum Beispiel schon frühzeitig das Konzept des Mixed-Use auf dem Zettel, jetzt ist es in aller Munde. Urban Logistic, die letzte Meile – das sind Themen, die uns alle angesichts des wachsenden Online-Handels bei den Überlegungen zur Zukunft unserer Innenstädte beschäftigen werden. Die Erfahrungen des Lockdowns haben jedem vor Augen geführt, welche Bedeutung Logistik in unserer arbeitsteiligen Welt spielt. Funktionierende Lieferketten sind ohne Logistik dauerhaft nicht zu gewährleisten ist. Wir sehen hier für unser Engagement deutliches Potenzial auf dem deutschen Markt, aber auch bei unseren unmittelbaren Nachbarn.

Quelle: rohmertmedien – Der Immobilienbrief Nr. 497